Nach dem heftigen Sturm mit sintflutartigem Regen über dem Sumpfland von Corrientes haben wir eine vage Vermutung, wie die ungeteerten Schotter- und Lehmstrassen aussehen könnten. Unsere Vermutungen kommen nicht ganz an das heran, was wir dann am darauffolgenden Tag auf der Fahrt nach Mercedes in der Provinz Misiones effektiv erleben. Mehr dazu gleich.
Zuerst gibt es noch von unserem Bootsauflug auf der Lagune Ibera zu berichten. Gegen fünf Uhr Abends bereiten wir uns auf den Trip vor, sprühen uns von Kopf bis Fuss mit Mückenspray ein, tragen eine dicke Schicht Sonnencreme auf und legen einen neuen Chip in die Kamera ein. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir das Bootshaus mit dem Boot, welches noch schnell geleert werden muss (das Wasser schwimmt im Boot), steigen dann ein und fahren los. Die erste Strecke legen wir auf von Seerosen und Algen dicht bewachsenen Wassersträsschen zurück, wo unser Bootsführer zu einem Gondoliere wird und das Boot mit einem Stock anschieben muss. Wir bahnen uns den Weg durchs Schilf, bis wir dann endlich die Lagune erreichen und am Uferrand schon die ersten Sumpfhirsche erblicken. Die sonst sehr scheuen Tiere lassen sich nicht beirren und weiden gemütlich weiter. Mit der untergehenden Sonne kommen die Tiere langsam aus ihren Verstecken raus um auf Jagd zu gehen oder, wenn sie alt oder krank sind, gejagt zu werden. Die Kaimane schwimmen hungrig durchs Wasser auf der Suche nach Fischen. Die bunten und oft auch extrem laut zwitschernden Vögel flattern uns in den schönsten Gefiederfarben um die Ohren! Dazwischen erblicken wir wieder einen Kaiman, diesmal liegt er gemächlich auf einer schwimmenden Insel und wartet wahrscheinlich, bis ihm etwas in das offene Maul flattert. Das Oekosystem ist sichtlich intakt, alles nimmt hier seinen natürlichen Lauf vom Jagen über gejagt werden. Der Mensch ist hier seit 1998 nur noch als Besucher geduldet, die Wildjagd wurde verboten und die ehemaligen Jäger arbeiten heute als Ranger im Sumpfgebiet. Der Jaguar als grösstes und gefährlichstes Raubtier in dieser Gegend ist leider ausgestorben. Er wird aber in verschiedenen Projekten wieder angesiedelt, in der Hoffnung, dass die Katze bald wieder heimisch wird.
Jetzt nun also zur Weiterfahrt nach Mercedes. „Normalerweise“ kann diese Strecke in 3 Stunden zurück gelegt werden. Wir brauchen doppelt so lange, bleiben aber zum Glück nie stecken. Der Lehm ist total durchnässt und liegt in einer ca. 30 Zentimeter dicken Matsch-Schicht auf der Strasse. Vor uns hat an diesem Tag noch niemand die Strecke passiert und so ist auch keine Spur vorhanden, in der man fahren könnte. Das 4×4 Getriebe wird schon bald dringend benötigt, wenn nämlich der Wagen schief zur Strasse steht und der Dreck vom spulenden Hinterrad an mein Fenster spritzt, so dass ich bald nichts mehr sehe. Unser Guide, ein in Argentinien geborener Schweizer fährt kühn und total selbstsicher durch die braune Masse, zwischendurch gibt’s wieder ein Schlagloch, dann ruft er lauthals aus. Vor einer Wasserlache tritt er aufs Gas, das Wasser spritzt wie in der Waschanlage. Er sei aber noch nie stecken geblieben in seiner 10-jährigen Karriere als Touristenführer. Wir glauben ihm und senden dennoch immer wieder Stossgebete gen Himmel! Zwischendurch wird Halt gemacht, um das Scheibenwischer-Wasser nachzufüllen. Das brauchen wir auch sehr dringend, denn permanent spritzt Dreck an die Windschutzscheibe. Nach ca. 250 Kilometer und 5 Stunden erreichen wir endlich die geteerte Strasse und brausen wie auf Samt nach Mercedes rein. Unsere nächste Unterkunft ist eine Estancia, auf der der Tourismus nur eine kleine Nebenrolle spielt. Die Hauptbeschäftigung ist die Viehzucht. Die Estancia hat ca. 6’000 Rinder, beschäftigt 20 Gauchos und dutzende von Pferde. Die Gäste auf der Estancia können den Gauchos bei der Arbeit über die Schultern schauen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen, schwingen uns auf Pferd und reiten den zwei Gauchos auf die weiten Felder nach. Unsere heutige Aufgabe: Rinder pflegen, die an wunden Stellen von einer Fliege geplagt werden. Wir reiten also an hunderten von Kühen vorbei, schauen grossflächig nach kranken Tieren, reiten weiter wenn alles gut ausschaut oder schwingen das Lasso, wenn irgendwo ein Tier verdächtig ungesund aussieht. Das Lasso schwingen natürlich die Gauchos, aber wir sind hautnah dabei, reiten hinterher und schauen zu, wenn die Gauchos die Rinder pflegen. Es ist genial, den Gauchos bei der Arbeit zuschauen zu können! Die Zeit vergeht extrem schnell und schon bald sind wir seit vier Stunden auf den Pferden. Es dunkelt langsam und so ziehen wir zufrieden zurück zur Estancia, wo Silvia mit dem Essen auf uns wartet. Silvia ist ca. 60 Jahre alt, seit ein paar Jahren verwitwet und Inhaberin des ganzen Imperiums. Als Hobby bewirtet sie in ihrem Haus noch Gäste; im Moment sind wir aber die einzigen zwei und so werden wir von ihr liebevoll umsorgt und verköstigt. Es ist, als wären wir bei einer Verwandten zu Besuch! Wir fühlen uns sofort sehr wohl und vertraut. Silvia spricht sehr gut Französisch und so kann ich nun endlich auch an den Gesprächen teilnehmen. Für den nächsten Tag planen wir bereits den nächsten Ausritt mit der Aufgabe, die Wasserlöcher der Tiere zu kontrollieren. Leider aber macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und so verbringen wir den regnerischen Tag bei Silvia, plaudern mit Freunden, die sie besuchen kommen, spazieren mit ihr durch den Garten, lassen uns von ihr den alten Baumbestand erklären und trinken alle zusammen Mate. Wir sind richtig traurig, als wir am nächsten Morgen schon wieder aufbrechen müssen.
Nächstes Ziel: Iguazu! Die Fahrt dauert nur ca. 3 Stunden und die Strassen sind geteert. Wir machen einen ersten Halt bei der Jesuiten-Stätte San Ignazio, lernen dort, wer die Jesuiten waren, welcher Mission sie nachgingen und was von ihren Reduktionen noch vorhanden ist. Wir sind beeindruckt! Weiter geht es zu einer Edelsteinmine, wo vorwiegend Amethyst abgebaut wird. Wir besichtigen die Höhle, müssen kurzerhand raus als eine Sprengung stattfindet; es ist alles sehr authentisch und ebenfalls beeindruckend. Am frühen Nachmittag erreichen wir dann die brasilianische Grenze, fahren weiter in den Park hinein und checken in unserem Hotel ein, welches direkt an den Fällen gelegen ist. Im Nu sind wir an den tosenden Fällen, spüren die Gischt auf der Haut und sind überwältigt von diesem Naturwunder! Von der brasilianischen Seite aus sieht man die Fälle in ihrer vollen Grösse; insgesamt sind es mehr als 250 einzelne Fälle. Schmetterlinge in allen Farben und Grössen flattern um uns herum, einer ist schöner als der andere. An den Abfalleimern schnüffeln Nasenbären im Abfall herum und sobald man mit der eigenen Tasche raschelt, kommen die gefrässigen Tiere angerannt. Sie sind süss aber frech. Beim sog. Teufelsrachen angekommen, werden wir tropfnass gespritzt! Das Wasser donnert nur ein paar Meter neben uns in die Tiefe, es ist fast etwas beängstigend! Von der brasilianischen Seite total beeindruckt, freuen wir uns schon auf den Besuch der Fälle auf der argentinischen Seite, wo man näher an die einzelnen Fälle heran gehen kann. Ca 80 Prozent der Fälle sind auf der argentinischen Seite; wir brauchen also mehr Zeit für diesen Besuch. Am nächsten Tag ziehen wir um 8 Uhr los, fahren abermals über die Grenze nach Argentinien und drüber in den Park hinein. Es ist schon ziemlich viel los dort; wir steigen auf einen kleinen Touristen-Zug und fahren noch weiter in den Park hinein. Über einen ein kilometerlangen Steg gelangen wir ganz nahe an den Teufelsrachen-Fall heran, es spritzt und rauscht und im Nu sind wir wieder tropfnass! Die einzelnen Fälle von nah zu sehen ist gerade so beeindruckend wie das ganze Panorama aus der Distanz. Auf jeden Fall sind wir von den Iguazu-Fällen total begeistert und beeindruckt!
Nun erwartet uns noch ein weiterer Höhepunkt unserer Flitterwochen: Rio de Janeiro. Der Flug ist kurz, nur zwei Stunden und dann sehe ich aus dem Flugi schon den Zuckerhut und die Christusstatue! Bis wir im Hotel an der Copacabana eintreffen, ist es bereits spät, so beschliessen wir, noch schnell etwas essen zu gehen und dann früh schlafen zu gehen, damit wir für die Stadtbesichtigung am nächsten Tag fit sind. Von Christian empfohlen, gehen wir zu Marius essen. Aus dem „schnell etwas essen gehen“ wird dann ein „schlemmen bis zum Umkippen“! In der Churrasceria schlägt Francesco’s Herz schnell höher, als er das gegrillte Fleisch à discretion sieht! Wir lassen uns viel Zeit, um alles auszuprobieren, was uns vorgetragen wird – es schmeckt vorzüglich! Dass das Wetter während dem Essen umschlägt und es zu regnen beginnt, kommt uns grad gelegen, denn so verschieben wir unsere Stadtrundfahrt auf den übernächsten Tag und gönnen uns am nächsten Tag ausgiebiges ausschlafen und relaxen. Es kommt so wie wir es geplant haben; am übernächsten Tag scheint wieder die Sonne und wir fahren auf den Corcovado zur Christusstatue, zum weltgrössten Fussballstadion Maracana, weiter zur kegelförmigen Kathedrale und schlussendlich auf den Zuckerhut! Die Fahrt durch Rio wird nur noch getoppt durch die geniale Aussicht! Unglaublich, dass diese Stadt in eine so hügelige Landschaft gebaut wurde!
Und viel zu schnell sind drei herrliche, abwechslungsreiche und unvergessliche Flitterwochen vergangen und jetzt sitzen wir am Flughafen in Rio und müssen Abschied nehmen von Südamerika! Wir sind uns einig: wir kommen wieder!
An dieser Stelle wollen wir nochmals unseren Familien, Verwandten und Freunden danken, die uns dabei geholfen haben, diese Ferien möglich werden zu lassen! Ihr habt uns damit ein unvergessliches und einmaliges Geschenk gemacht!
Das Boot bahnt sich den Weg durch die Seerosen und Algen zur Lagune Ibera hinaus

Durch enge von Schilf verwachsene Wassersträsschen

Der Matsch liegt bis zu 30 Zentimeter dick auf der Strasse nach Misiones

Scheibenwischer-Wasser nachfüllen, sonst sehen wir bald gar nicht mehr raus!

Ziemlich viel Dreck klebt am Auto!

Bei Silvia auf der Estancia Santa Cecilia in Candelaria, Provinz Misiones

Wir begleiten die Gauchos auf die Felder zur Arbeit. Aufgabe: kranke Rinder pflegen

Diese jungen Kälber sind erst eine Woche alt und müssen noch am Ohr markiert werden.

Dieses kranke Rind muss eingefangen und behandelt werden, da sich an einer wunden Stelle am Hinterschenkel die Fliegen zu schaffen machen

Geschafft, es vefängt sich im Lasso!

Auf der brasilianischen Seite der Wasserfälle in Iguazu! Herrliche Sicht auf die gesamten Fälle!

Unten beim Teufelsrachen auf der brasilianischen Seite. Die Gischt durchnässt alles!

Die Schmetterlinge sind wunderschön!

Auf der argentinischen Seite kann man ganz nah an die einzelnen Fälle heran gehen!

Blick von unserem Hotel aus auf die Copacabana

Die Kokosmilch aus der kühlen Kokosnuss schmeckt herrlich!

Mit einer Schweizer Zahnradbahn geht es auf den Corcovado hoch zur Christusstatue

Unglaublich, dass man mit solch platten Füssen einer der weltbesten Fussballer sein konnte!

Mit einer Schweizer Luftseilbahn gehts auf den Zuckerhut hinauf

Herrlicher Blick auf Rio und die Christusstatue! (versteckt sich grad hinter der Wolke…)































































































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